Batul to Buddha

Die intensiven Momente in unserem Leben, sind  fast immer geprägt von ungewöhnlichen Menschen. Treffen derartige Menschen aufeinander, so ist dies nicht selten die Energie, derer es bedarf um etwas Neues zu erschaffen. Buddha To Buddha  ist definitiv eine der Marken, die aus einem solchen Moment entstanden ist.

Batul, der Begründer des Schmucklabels Buddha to Buddha, Margret, Leiterin der Bali Children Foundation sowie Schauspieler und Fotograf Hardy Krüger Junior trafen sich auf Bali, der Produktions- und zugleich Charity-Wirkungsstätte von Buddha to Buddha, um sich auszutauschen. Die Geschichte Batul Loomans, dessen Leben heute mehr denn je von der Meditation geprägt ist, ist illuster und hätte ganz sicher Filmpotenzial.

Zunächst schien sein Weg vorprogrammiert, als Sohn einer anerkannten Amsterdamer Textildynastie, wurde er auf die Führung des Unternehmens, welches seine Eltern über 40 Jahre lang betrieben haben, vorbereitet. Mehr als die Businessschule selbst interessierten ihn die kreativen Menschen, die er dort traf. Kurze Zeit darauf arbeitete er bei einem der größten Importeure Hollands der schnell verstand,  dass in Batul mehr steckte als ein reiner Sales Manager. So wurde er zum Assistenten des Designers. Noch heute spricht Batul von dieser Zeit als einem großen Geschenk. Denn er wurde in jungen Jahren kurzerhand für drei Monate nach Hongkong geschickt, um bei der neuen Kollektion mit zu arbeiten. Er reiste von einer Fabrik zur nächsten und hat seinen Job geliebt, obwohl sich abzeichnete dass diese Welt des schnellen Business trotz großen Erfolges nicht seine Welt sein würde.

Im Gespräch mit Chefredakteurin Susanne Filter beschreibt er eine Szene, die sein Leben schlagartig verändern sollte: „Mein damaliger Chef war mein großes Vorbild, aber als er nach monatelanger Abwesenheit nach Hause kam, wurde er von seiner Frau kaum eines Blickes gewürdigt. Eine der erfolgreichsten Menschen der Mode Industrie, der alles haben kann und seine Frau blickt  nicht einmal ein paar Sekunden von der Zeitung auf, wenn er nach Hause kommt. Das ist nicht gut. Wenn dies das Resultat des Erfolges sein sollte wollte ich es nicht. Und dann bin ich zum ersten Mal nach Indien gereist!“ Hier beginnt Batul‘s eigentliche Reise.

Batul, Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Welt des Designs angekommen und wollten Sie ganz sicher nicht verlassen, oder?

Ich war 25 Jahre alt und mir wurde nach der ganzen Herumreiserei sehr schnell klar, dass Erfolg nicht davon kommt immer mehr zu tun und weiterzumachen. Also beschloss ich den Erfolg zu vergessen und mich lieber um mich selbst zu kümmern. In einer Bar traf ich zufällig auf eine Frau, die für Mutter Theresa arbeiten wollte, aber es von ihrem Vater nur erlaubt wurde, wenn ein Mann sie nach Indien begleitet. Ich war sofort dabei, zog nach Indien und arbeitete sechs Wochen für Mutter Theresa. Meine Aufgabe war es bettlägerige Menschen ins Wasser zu heben, in dem sie von jemand anderem  gewaschen wurden. Jeden Morgen fuhren wir zu einem Mann, der auf seinem Bett saß und meditierte. Ich hatte zuvor noch nie jemanden getroffen, der so entspannt und ruhig war, also fragte ich ihn was er da mache. Er wollte nicht darüber reden, aber er sagte mir, wenn ich interessiert sei, könne er mir einige Orte empfehlen, wo ich Meditation erlernen kann.  Und dann brachte er mich zu einem Ashram in Jaipur.

Wann haben Sie Ihr erstes Armband kreiert?

Das erste Design habe ich 1991/1992 in Indien hergestellt, wo ich eine 3,5-monatige Ausbildung als Massagetherapeut gemacht habe. Ein Schweizer, den ich dort traf, hat das erste Armband gefertigt. Er war sehr professionell in der Schmuckherstellung und ich hatte ein gutes Gefühl für Formen. So zeichnete ich mein erstes Armband. Der Schweizer wurde dann aus dem Ashram verwiesen weil er zu viel getrunken hat. Ich habe mein Diplom geschafft und anschließend hat er mir einen kleinen Beutel gebracht mit meinem ersten Armband. Und so hat alles angefangen.

Dann haben Sie die Marke gegründet. Wieso heißt sie Buddha To Buddha?

Das ist eine schöne Geschichte. In dem Moment, in dem man einen Ashram betritt, muss man ein Gespräch mit einer Person führen, die dort schon sehr lange ist um zu sehen wer du bist und wo du in deinem Leben stehst. Ich hatte ein solches Gespräch mit einer wunderschönen Frau mit tiefblauen Augen, die bereits 60 oder 70 Jahre alt war. Sie hat innerhalb von fünf Minuten praktisch durch mich hindurch gesehen. Es war ein transformierendes und emotionales Gespräch und ab dem Zeitpunkt habe ich gelernt, dass wir nicht unsere Gedanken sind. Das ist nun im Prinzip mein einziges wahres Interesse. Je freier ich bin, desto kreativer kann ich sein. Diese Frau sagte mir dies sei ein Gespräch von Buddha To Buddha.

Doch es bedarf mehr um eine Marke zu kreieren. Welche Initiative haben Sie ergriffen um Ihr Design populär zu machen?

Es gibt eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Ich habe mein erstes Armband mit Steinen von 11 Karat ausgestattet um die Marke über Snoop Dog bekannt zu machen. Das war vor circa acht Jahren. Ich war sehr aufgeregt, als ich nach einem Konzert in den Backstage-Bereich durfte. Dort waren ziemlich wichtige Menschen versammelt, unter anderem der Chef von Sony. Die Musik wurde aufgedreht und ich bot Snoop Dog an, dass er mein Armband für ein oder zwei Jahre tragen dürfe. Ich wollte keinen großen Deal mit ihm abschließen, alles was ich von ihm wollte, ist mein Armband zu tragen und es zu verkaufen, sodass wir von dem Geld zusammen ein Waisenhaus auf Bali bauen können. Sie müssen wissen, dass ich schon zu diesem Zeitpunkt eine Person wie Margret gesucht habe. Jedenfalls stand jeder in Snoop Dogs Backstage-Bereich sofort auf und begrüßte die Idee mit Applaus. Und ich gab ihm das Armband. Anschließend verbrachte ich drei oder vier Monate damit, sein Management zu erreichen um zu fragen, wie es nun weitergeht. Ich erzählte, dass ich ihm das Armband gegeben hatte und es einen immensen Wert hat. Mir wurde nur gesagt, dass es ein neues Management gibt und niemand irgendetwas wusste. Jede Nacht wachte ich bei dem Gedanken schweißgebadet auf. Als dann aber ein großes Konzert in Amsterdam anstand, bin ich dorthin und endlich konnte ich mit dem Management sprechen, das mir allerdings sagte, dass bei einem Konzert in Miami der Safe aus dem Hotelzimmer gestohlen worden war und alles mitgenommen wurde. Das habe ich natürlich nicht geglaubt. Dann war Snoop Dog aber einer der Opening Acts für den Superbowl und er trug plötzlich mein Armband. Das war die beste Publicity die ich hätte bekommen können. Wir haben zwar nie Geld gesehen, aber Snoop ist sehr populär und einflussreich.

Wann hatten Sie die Idee etwas zurückzugeben?

Auf Bali sind wir schon länger als 20 Jahre aktiv. Wir haben mit vielen Charities auf der Insel gesprochen, aber mit Margret habe ich mich sofort verbunden gefühlt. Sie hat ein großes Team von Menschen, die die Dinge hier organisieren und die besten Anwälte auf der Insel. Man braucht die richtigen Menschen und auch Geschäftsleute gehören dazu. Ich wünschte, man könnte einfach nur hingehen und etwas Gutes tun, aber so leicht ist es nicht.

Batul ist Teil der DNA von Buddha to Buddha und sein Herz wird immer an seinem Baby hängen. Doch hat er seinem Leben erneut eine andere Richtung gegeben, indem er ein Meditationszentrum baut. Er möchte etwas von der Spiritualität und inneren Gelassenheit weitergeben und hat dazu eine alte Kirche in der Nähe von Amsterdam gekauft. Im Juli soll bereits die Eröffnung sein. Bali, die Insel der Götter, scheint wie geschaffen um ein Bindeglied zwischen Batul und Business zu bilden.

Wir lernen auch Margret kennen, von der er mit größter Hochachtung spricht. Sie war bereits seit langer Zeit mit den Eltern von Batul verbunden, da sie bereits 1975 ein eigenes Textilbusiness in Indien begonnen hatte. Mittlerweile wohnt sie in einem kleinen traditionellen Dorf im Süden Balis. Sie betreibt eine Fabrik und verschiedene Geschäfte und exportiert ihre eigene Marke stark nach Australien.

Wie kam es dazu, dass Sie die Children’s Foundation gründeten?

Während des ersten Bombenanschlags im Jahr 2002 war ich auf Bali und habe bei der Versorgung der Menschen geholfen. Direkt am nächsten Tag habe ich mich um die Verletzen gekümmert. Über 300 Menschen mussten versorgt und evakuiert werden. Wir haben in einem Team mit Auswanderern, Touristen und natürlich den Einheimischen eng zusammen gearbeitet und großartige Ergebnisse erzielt. Hierdurch habe ich erkannt, dass diese Art von Kooperation sehr erfolgreich ist und habe mir die Frage gestellt, wofür wir uns noch einsetzen könnten. Innerhalb von nur einem Monat habe ich ein Projekt mit einem Kinderheim in Singaraja begonnen. Es hat also alles mit der ersten Bombe angefangen. Heute arbeiten wir in 38 verschiedenen Gemeinden im Norden und Westen und auf einigen Inseln um Bali herum. Dabei unterstützen wir 1600 Kinder mit unseren Programmen und Stipendien.

Es muss ein bereicherndes Gefühl sein die Resultate seiner eigenen Arbeit zu sehen.

Ja, ganz besonders wenn ich sehe, dass die Kinder nach der Schule eine Arbeit finden und ein gutes Gehalt verdienen. Hierdurch verändern sie auch das Leben ihrer Familien. Die Gesellschaft ist hier sehr gemeinschaftlich, was bedeutet, dass das Einkommen auch den Familien der geförderten Kinder zugute kommt. So verbessert sich nicht nur die eigene Lebensqualität sondern auch die der Familien und schließlich auch der Lebensstandard der ganzen Gemeinde. Die armen Gemeinden der Menschen auf dem Land, mit denen wir schon eine ganze Zeit lang arbeiten, haben sich drastisch verändert. Die Kinder mit Schulabschluss können so auch ihre jüngeren Geschwister absichern, weshalb das Programm schon jetzt sehr zukunftsfähig ist.

Sind die Chancen für Mädchen und Jungen gleich?

Sie müssen bedenken, dass wir hier in einer Gesellschaft leben, die von Männern dominiert wird. Trotzdem sind die Zahlen der Mädchen und der Jungen bis zur zwölften Klasse gleich. In der Tertiärstufe haben wir dann aber mehr Mädchen als Jungen. Das liegt daran, dass sich die Jungen häufig verantwortlich fühlen direkt nach der Schule arbeiten zu gehen, denn das ist das was von ihnen erwartet wird. Wir ermutigen insbesondere diejenigen, bei denen wir gute Chancen sehen, trotzdem weiterzumachen. In den meisten Fällen gehen sie aber arbeiten. Auf lange Sicht gesehen verpassen sie die Möglichkeit später eine bessere Karriere zu verfolgen. Ganz im Gegenteil zu den Mädchen, die gesellschaftlich gesehen erstmal nicht so wichtig sind und deshalb oft auch höhere Schulabschlüsse haben.

Wenn ein Junge und ein Mädchen aus einer Familie beide eine Karriere verfolgen, geht dann nur das Einkommen des Jungen oder auch das des Mädchens an die Familie?

Beide Einkommen gehen an die Familie. Wenn das Mädchen heiratet, gehört das Einkommen dann aber ihrer neuen Familie. In der Regel verfügt sie aber trotzdem über genügend Geld um

die eigene Familie weiterhin zu unterstützen, zum Beispiel beim Hausbau oder bei Reparaturen. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zum Süden sehr gering. Mit einem guten Einkommen kann man im Norden Balis viele Dinge sehr schnell verändern. Wir arbeiten Dorf für Dorf und Gebiet für Gebiet. Deshalb wird nicht nur einem oder zwei Kindern aus einer Gemeinde geholfen. Unser Programm wurde so gestaltet, dass wir ein ganzes Dorf gesund und wohlhabend hinterlassen können. Wir arbeiten mit allen armen Familien in dem Gebiet, bringen sie auf den richtigen Weg und dann ziehen wir weiter zum nächsten Ort.

Haben Sie groß gesteckte Ziele für die nächsten Jahre?

Mein größtes Ziel ist ein nachhaltiges Ergebnis und dass wir hier eine mittelständische und ökonomisch-stabile Gesellschaft erschaffen, die den konstanten Veränderungen in diesem Teil der Welt standhält. Die Wirtschaft in Südostasien wächst kontinuierlich und wer hier eine gute Ausbildung erhält kann stolz sein und wird nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Ich möchte sicher gehen, dass die Kinder ein Teil des neuen Südostasiens werden, in dem sie eine Zukunft haben. Im Moment unterrichten und helfen wir 15 Prozent der Kinder in Bali, die

benachteiligt sind. Wir werden versuchen unsere Programme weiter auszubauen und in dem was wir tun immer besser zu werden. Ich habe allerdings sehr interessante Pläne für die nächsten fünf Jahre, denn es sind sehr wichtige Jahre um eine Veränderung zu schaffen. Wenn wir jetzt viel Arbeit investieren, können wir noch auf den Bus hüpfen, der direkt in die ökonomische Zukunft fährt. In fünf Jahren wird es schwerer für die Gemeinschaften weil sie dann noch weiter im Rückstand sein werden. Deshalb soll unser Programm über die nächsten fünf Jahre möglichst stark wachsen. Zu Beginn hatte ich ein Ziel für die ersten 10 Jahre, jetzt ist Halbzeit und wir sind auf Kurs.

In der Grundschule haben die Kinder mittags gebetet. Müssen sie immer mittags beten oder sogar mehrmals am Tag?

Manchmal auch bevor sie nach Hause gehen. Es ist Teil ihrer kulturellen und spirituellen Identität. Ich denke dies ist eines der großen Geheimnisse Balis, die nahezu selbstverständliche Verbindung von Spiritualität, Familien- und Gemeinschaftssinn kombiniert mit einer großen Freude am Lernen, sei es handwerklich oder geistig.

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